Haus-Chronik

des Hotel Zur Mühle in Bad Breisig

Die Geschichte der ehemaligen Mühle geht zurück bis ins 17. Jahrhundert. Wann genau der Grundstein zum heutigen Hotel „Zur Mühle“ gelegt wurde, ist nicht überliefert. Es gibt jedoch die Sage vom Spuk im Mühlenteich, die in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) spielt und von 3 Frauen handelt, die auf dem Gelände des jetzigen Hotels eine Mühle betrieben haben.

Anfang des 18. Jahrhunderts ist das Gebäude im Mühlengang erstmals als „Getreidemühle der Geschwister Müller“ in den Büchern erwähnt. Später wurde diese Mühle dann von wechselnden Besitzern als Lohmühle und Gerberei betrieben. In dem ursprünglichen Bruchsteingebäude wurde das Mühlrad vom Wasser des Frankenbaches gespeist, der mittels eines Schiebers in den Mühlenweiher umgeleitet werden konnte. Dieser Mühlenweiher befand sich im Hotelpark, oberhalb des heutigen Hoteleinganges.

Paula Reuter
Paula Reuter

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts diente das Gebäude dann als Wollreißerei, bis Frau Paula Reuter die Mühle 1930 erwarb. Dank einer kleinen Erbschaft zu etwas Geld gekommen, hatte sie sich zunächst mit ¼-Anteil an der schon in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Mühle beteiligt. Als auch diese Finanzspritze die Mühle nicht retten konnte, erwarb Sie die ganze Mühle in der Zwangsversteigerung. Mit dem Ziel, das verlorene Geld zurück zu erwirtschaften, errichtete sie darin 1932 eine Pension mit 14 Gästebetten.

Das funktionierte von Anfang an so gut, dass die Pension Zur Mühle schon 1934/35 umgebaut und auf 45 Betten erweitert wurde. Diese führte sie zusammen mit Ihrem Sohn Hermann Reuter, einem gelernten Bankkaufmann und dessen Frau Anna Reuter (geb. Becker), einer ausgebildeten Musikpädagogin. Zu dieser Zeit wurde auch der Mühlenweiher trockengelegt.

Anna und Hermann Reuter 1928
Anna und Hermann Reuter 1928

Während des Krieges diente das Haus als Lazarett für deutsche Soldaten. Die Familie wurde zwischenzeitlich zu Verwandten nach Waren an der Müritz evakuiert. Zum Kriegsende übernahmen amerikanische Besatzungssoldaten das Gebäude und verbrannten zunächst das gesamte von den infizierten Kranken benutzte Hotelmobiliar.

Die “Mühle“ um 1950
Die “Mühle“ um 1950

Als die Familie dann 1945 wieder zurückkehrte, fand sie nicht viel mehr als die nackten Mauern und inzwischen einquartierte französische Besatzungssoldaten vor, die notdürftig Feldbetten aufgestellt hatten.

Dank der Hilfe von Stammgästen (die z.B. mit Tapeten und Farbe aushalfen) und mit Improvisationstalent konnte „die Mühle“ 1947 als Pension wiedereröffnet werden. Beim Wiederaufbau half auch das „Treibholz“, das von einem Sägewerk in Andernach bei Hochwasser davonschwamm und von Hermann Reuter „sichergestellt“ wurde. Was lag näher als das herrenlose Holz einer sinnvollen Verwendung zuzuführen und daraus Möbel für Zimmer, Speisesaal und Büro zu bauen. Noch heute erinnern (die natürlich wieder aufbereiteten) Bänke und Stühle in der Mühlenstube an diese Episode.

Anna und Hermann Reuter mit Ihren 5 Kindern Inge, Manfred, Gebhard, Paul-Herbert und Hannelore (von links) ca. 1957
Anna und Hermann Reuter mit Ihren 5 Kindern Inge, Manfred, Gebhard, Paul-Herbert und Hannelore (von links) ca. 1957

1958 wurde Niederbreisig der Titel „Bad“ verliehen. Die ersten erfolgreichen Quellbohrungen im aufstrebenden Thermalbadeort waren bereits in den Jahren 1913/14 durchgeführt worden. Der Vater von Anna Reuter, Peter Becker, war als Verwalter bei Baron von Geyr an der ersten erfolgreichen Quellenbohrung des Geyrsprudels beteiligt. Sein Sohn Wimar Becker wird bei uns scherzhaft als der erste Badegast Bad Breisigs bezeichnet, nachdem er als 3-Jähriger das frisch erbohrte Thermalwasser in der „Badebütt“ testen durfte.

Foto, das den kleinen Wimar Becker als ersten Badegast zeigt (unten rechts)
Foto, das den kleinen Wimar Becker als ersten Badegast zeigt (unten rechts)

Bilder von der Mühle aus den 60er Jahren

Von den 5 Kindern der Eheleute Anna und Hermann Reuter entschied sich Sohn Manfred Reuter für den Beruf des Hoteliers und zur späteren Weiterführung des Betriebes. Er absolvierte die Hotelfachschule in Bad Hofgastein und stieg 1959 in den Familienbetrieb mit ein. 1962 heiratete er seine aus der Steiermark stammende Frau Ingrid Reuter (geb. Hübler), die mit ihm zusammen die Hotelfachschule in Bad Hofgastein besucht hatte.

Manfred und Ingrid Reuter mit Ursula und Klaus 1966
Manfred und Ingrid Reuter mit Ursula und Klaus 1966

Im Winter 1972/73 wurde erneut groß umgebaut und auf 60 Betten erweitert. Ein neuer großer Speisesaal, das Hotel-Hallenbad und neue Zimmer mit Balkon kamen hinzu.

Beide Kinder von Ingrid und Manfred Reuter, Ursula und Klaus, erlernten das Hotelfach, besuchten Hotelfachschulen in Garmisch-Partenkirchen und Salzburg/Kleßheim. Sie arbeiteten in verschiedenen großen Hotels im In- und Ausland, ehe sie 1991 in den elterlichen Betrieb zurückkehrten. In diesem Jahr wurde der Fahrstuhl eingebaut und das Haupthaus der Mühle komplett renoviert. Alle Zimmer bekamen ihr eigenes Bad, wodurch sich allerdings die Gesamtbettenzahl auf 47 Betten verringerte.

1995 übernahm Sohn Klaus den Betrieb dann offiziell und leitet ihn seither, gemeinsam mit seiner Frau Petra, unterstützt von Eltern und Schwester und mehr als einem Dutzend, größtenteils sehr langjährigen Mitarbeitern.

In den Jahren 2005 und 2006 bekam das Haus einen neuen Anstrich: Die ehemals weiße Fassade erstrahlt seitdem in Rot, viele Fenster wurden durch neue ersetzt.

In den Jahren 2010 und 2011 erfuhr das Haus dann nochmals umfangreiche Renovierungen. Im Haupthaus wurden ein Großteil der Zimmer und die Flure renoviert und alle Bäder der Balkonzimmer wurden neu gestaltet inklusive bodengleicher Duschen. Weitere größere Renovierungen folgen in den Jahren 2014 (Neugestaltung des Restaurants) und 2015 (Neugestaltung von 4 Zimmern als Themenzimmer "rheinischer Sagenweg).

 

Petra und Klaus Reuter mit Kindern Carolin und Felix, Ursula Reuter-Breith, Ingrid und Manfred Reuter 2013
Petra und Klaus Reuter mit Kindern Carolin und Felix, Ursula Reuter-Breith, Ingrid und Manfred Reuter 2013

 

Im Januar 2015 verstirbt Ingrid Reuter im Alter von 77 Jahren. Sie hat den Stil des Hotels über viele Jahrzehnte geprägt.

Dies war ein Streifzug durch über 400 Jahre Geschichte der ehemaligen Mühle.
Wir sind gespannt, wie`s weitergeht.

Ihre
Familie Reuter

 

oben von links:Klaus, Petra und Carolin Reuter, Ursula Reuter-Breith, unten Manfred Reuter mit Enkel Felix
oben von links Klaus, Petra und Carolin Reuter, Ursula Reuter-Breith, unten Manfred Reuter mit Enkel Felix